Pädophilie ist keine Tat!

Häufig wird Pädophilie mit dem Missbrauch von Kindern gleichgesetzt. Wichtig ist aber zu verstehen, dass Pädophilie erst einmal nur ein sexuelles Interesse an Kindern ist. Pädophilie ist keine Tat. Der Großteil der Missbrauchstäter*innen ist gar nicht pädophil, und die meisten pädophilen Menschen tun nie einem Kind etwas an.

Das wirkt für viele zunächst einmal überraschend. Wieso sollte jemand ein Kind missbrauchen, wenn er kein sexuelles Interesse an Kindern hat? Und wie wahrscheinlich ist das schon, dass ein pädophiler Mensch es ein Leben lang schafft, seine Sexualität zu unterdrücken? Deswegen wollen wir hier einmal näher erläutern, dass sexuelle Übergriffe nur in den seltesten Fällen etwas mit den sexuellen Präferenzen eines Menschen zu tun haben.

Nicht jede*r Täter*in ist pädophil

Je nach Studie geht man in 60–90 % der sexuellen Übergriffe auf Kinder davon aus, dass diese nicht von pädophilen Menschen begangen werden. Stattdessen handelt es sich hierbei um sogenannte Ersatzhandlungstäter*innen. Solche Täter*innen verlieben sich nicht in Kinder und fühlen sich auch nicht sexuell zu Kindern hingezogen.

Wie die Bezeichnung schon aussagt, sind Kinder für sie ein Ersatz für etwas Anderes, das sie eigentlich bevorzugen oder sich wünschen. Es geht hier also um ganz „normale“ hetero – oder homosexuelle Menschen, die ausschließlich an Erwachsene interessiert sind. Oft handelt es sich hierbei um Menschen, denen der soziale Umgang mit anderen erwachsenen Menschen schwerfällt oder die sich dabei unterlegen und wertlos fühlen, und denen es deswegen darum geht, eine Machtposition über schwächere Menschen zu erhalten. Andere missbrauchen Kinder aufgrund einer Persönlichkeitsstörung, wegen Sadismus oder psychopathischen Charakterzügen. Zu diesem Tätertyp gehört zum Beispiel der Belgier Marc Dutroux, der über Jahre hinweg Kinder entführt und missbraucht hat.

Die Mehrheit der Täter*innen ist also nicht pädophil. Sie wählen Kinder, weil diese sich körperlich schlechter wehren können und leichter zu manipulieren sind als Erwachsene, sind sexuell aber auf erwachsene Menschen orientiert. In jedem Fall geht es darum eigene Defizite auf Kosten von Kindern zu kompensieren.

Nicht jeder pädophile Mensch ist Täter*in

Pädophil zu sein bedeutet, sich sexuell zu Kindern hingezogen zu fühlen. Es heißt aber nicht, diese sexuellen Fantasien und Wünsche auch tatsächlich in der Realität umsetzen zu wollen. Pädophile Menschen haben im Normalfall kein Interesse daran ein Kind zu vergewaltigen, weil sie sich etwas ganz anderes mit und von einem Kind wünschen als ihm (sexuelle) Gewalt anzutun.

Für uns bedeutet pädophil zu sein nicht nur, dass wir uns sexuell zu Kindern hingezogen fühlen. Wir mögen Kinder insgesamt und wollen, dass sie glücklich sein und behütet aufwachsen können. Deswegen kommt es für uns überhaupt nicht in Betracht, Kindern Leid zuzufügen. Da das aber höchstwahrscheinlich passieren würde, wenn wir unsere sexuellen Wünsche an Kindern ausleben, tun wir dies natürlich auch nicht. In der Hinsicht unterscheiden wir uns nicht von den meisten anderen Menschen.

Pädophilie ist keine Impulskontrollstörung. Sexuelle Wünsche mit Kindern zu haben heißt nicht, diesen willenlos ausgesetzt zu sein. Wir sind keine triebgesteuerten Tiere, sondern genauso in der Lage moralische Entscheidungen zu treffen, wie andere Menschen auch.

Das heißt natürlich nicht, dass es überhaupt keine pädophilen Menschen gibt, die Kindern Gewalt antun. Manche sind zum Beispiel aus verschiedenen Gründen der Überzeugung, dass einvernehmlicher sexueller Kontakt zwischen Kindern und erwachsenen Menschen möglich ist und handeln auch danach. Andere haben Störungen wie Intelligenzminderungen oder Impulskontrollstörungen, die zu Taten führen können. Auf die meisten pädophilen Menschen trifft das aber genauso wenig zu, wie auf die meisten nicht-pädophilen Menschen auch.