Kinderkontakt: Chance oder Gefahr?

Sollten pädophile Menschen Kontakt zu Kindern haben? Oder mit ihnen arbeiten dürfen? Oder sogar eigene Kinder bekommen?

Zugegeben, ein kontroverses Thema. Nun, diese Frage ist nicht mit einem einfachen „ja“ oder „nein“ zu beantworten. Man kann kein „ja“ für jeden einzelnen pädophilen Menschen, den es gibt, aussprechen. Genauso gibt es aber ein paar Dinge, die man dabei bedenken sollte, bevor man pauschal ein „nein“ ausspricht.

Wenn man in pädophilen Menschen grundsätzlich eine Gefahr für Kinder sieht, ist es nur nachvollziehbar, ihnen jeglichen Kontakt mit Kindern untersagen zu wollen. Schließlich wäre jede Situation, in der ein pädophiler Mensch Umgang mit einem Kind hat, dann eine Risikosituation, in der potenziell schlimme Dinge passieren könnten.

Gerade dieser Versuch, jeglichen Kontakt zu Kindern zu vermeiden, kann sich aber als kontraproduktiv erweisen. Viele pädophile Menschen berichten davon, dass sexuelle Gedanken im direkten Kontakt zu Kindern in den Hintergrund treten und andere Dinge wichtig werden, während sie in Isolation und Distanz zu Kindern stärker die eigenen Gedanken beeinflussen. Wenn dann doch einmal unerwartet ein Kontakt zu einem Kind zustande kommt – ganz lässt sich das schließlich nie vermeiden – kann dies zu Überforderung und extremer Anspannung führen.

Hinzu kommt, dass gerade Haltungen, die versuchen Missbrauch zu rechtfertigen, sich bei fehlendem Kontakt zu Kindern festigen können. Wenn man nie Kontakt zu Kindern hat, kann man sich leicht einreden, Kinder würden auch Sex mit erwachsenen Menschen haben wollen. Im direkten Umgang mit Kindern merkt man dann aber doch sehr schnell, dass sie Interesse an vielem haben, aber nicht an Sex. Man achtet auf jedes kleinste Anzeichen sexueller Gedanken und Gefühle, hinterfragt jede Interaktion mit dem Kind, auch wenn diese völlig unverfänglich sind. Gerade dies führt aber dazu, dass man sich ausschließlich auf diese Gedanken konzentriert und ihnen damit viel Gewicht gibt.

Pädophile Menschen unterscheiden sich abgesehen von der Tatsache, dass sie Kinder attraktiv finden, wie du Frauen oder Männer attraktiv findest, nicht von dir. Im Normalfall funktioniert ihr moralisches Empfinden genauso wie deines. Sie wissen, dass es nicht möglich ist, eine Beziehung mit einem Kind zu führen, wie du dir so eine Liebesbeziehung vorstellst. Flirten, sein Leben und die Schwierigkeiten, die dieses so mitbringt, miteinander teilen, Sex haben, Zukunftspläne. All das fällt weg, aber pädophile Menschen mögen Kinder ja genau dafür, wie sie sind – sie sind kein Ersatz für erwachsene Menschen, sie haben ihre eigene Art.

Die Pädophilie bringt in der Regel auch ein emotionales Interesse an Kindern mit sich und genau dieses gilt es zu pflegen. Davon können Kinder und pädophile Menschen gleichermaßen profitieren. Unsere Wünsche beziehen sich auch darauf, Zeit mit Kindern zu verbringen und ihnen Gutes zu tun – Ausflüge zu unternehmen, Geschenke zu machen, mit ihnen zu spielen und die Welt zu erleben.

Fehlt dieser Kontakt vollständig, führt das oft zu Gefühlen von Isolation und Depressionen. Erste wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass pädophile Menschen, die keinen Kontakt zu Kindern haben signifikant öfter an psychischen Erkrankungen leiden. Was übrigens auch Risikofaktoren für sexuellen Missbrauch sind.

Es darf also bezweifelt werden, dass der vollständige Verzicht auf Kontakt mit Kindern der richtige Weg ist. Und darüber hinaus ist es auch alles andere als realistisch, Kindern komplett aus dem Weg zu gehen, denn auf Kinder trifft man schließlich überall: in der Verwandschaft, bei Freunden, oder im Verein.

Persönliche Erfahrungen

Um einen Eindruck zu vermitteln, was der Kontakt mit Kindern für uns bedeuten kann, haben wir hier einige kurze persönliche Erfahrungsberichte gesammelt.

Ruby: Meine Erlebnisse mit Kindern beschränken sich auf ein paar wenige private Treffen mit Kindern von Freunden der Familie. Dennoch habe ich diese seltenen Gelegenheiten als unglaublich wertvoll und schön erlebt. Ich hatte zuvor die Befürchtung, ich käme vielleicht gar nicht mit Kindern zurecht und würde sie nicht verstehen, gerade weil mir die Erfahrung fehlt; aber das Gegenteil war der Fall – ich hatte das Gefühl, ich konnte mich recht gut auf den damals 3-Jährigen einlassen. Er nahm mich sofort an die Hand und ich hab mich einfach mitziehen lassen. Er hat mir seine Sicht auf die Welt gezeigt und ich war überwältigt von dem Vertrauen, das er mir als absolut fremde Person geschenkt hat. Ich habe mir einfach keine Gedanken mehr gemacht – die anfängliche Nervosität war schnell verflogen und wir haben stundenlang getobt, gespielt und geredet. Ich saß nicht mit den anderen Erwachsenen am Tisch, sondern habe mich mit ihm beschäftigt und wurde in der Situation als gleichwertiger Spielkamerad gesehen, nicht als Autoritätsperson. Zugegeben, das ist im Umgang mit Kindern nicht immer das klügste – aber ich war in dem Moment einfach nur glücklich und genau da wo ich sein wollte.

David: Ich arbeite seit vielen Jahren als Erzieher und habe täglich viel Kontakt zu Kindern. In meiner Jugend habe ich meine sexuelle Orientierung vor mir selbst versteckt, weil ich mich nicht als das Monster wahrgenommen habe, das andere in mir sahen. Dennoch fühlte ich mich zu Kindern hingezogen und so kam es, dass ich mir meine Neigung erst eingestand, als ich bereits mit Kindern arbeitete. Das hat mir sehr geholfen, mich auch weiterhin und von Beginn an nicht als schlechten Menschen wahrzunehmen und das Vertrauen in mich selbst zu behalten. Es hat mir Stabilität, Sicherheit und Selbstbewusstsein gegeben. Ich übe meinen Beruf sehr gern aus und er ist daher etwas, das mir heute so viel Lebensqualität gibt, dass ich problemlos mit den Entbehrungen, die die Pädophilie mit sich bringt, leben kann. Eben weil ich in meinem Leben nicht die Entbehrungen wahrnehme, sondern das Positive, das ich mit meiner Neigung machen kann. Kindern einen guten Grundstein für ihr Leben zu schenken.

Der Seebär: Es liegt inzwischen bereits fast 20 Jahre zurück, dass ich gelegentlichen Kontakt zu meiner damals kleinen Nichte hatte. Ich erinnere mich, dass ich viele dieser Situationen mit gemischten Gefühlen erlebt habe. Zum einen war es natürlich auch sehr schön, Zeit mit ihr verbringen zu können. Jedoch war ich wohl die meiste Zeit sehr verunsichert im Umgang mit ihr. Zu der Zeit war ich mir meiner Neigung schon bewusst und stand bei den meisten Kontakten mit ihr innerlich ständig in einem Konflikt, was ich denn tun darf und was nicht. Was wäre falsch und was nicht? Was wäre „auffällig“ und was nicht? Besonders wenn es zu körperlichem Kontakt gekommen ist, sie sich zum Beispiel auf meinen Schoß setzen wollte, sie mich umarmen wollte oder sich von mir irgendwohin hochheben lassen wollte. Man kann sich denken, dass durch dieses Gedanken- und auch Gefühlschaos natürlich viele Treffen auch gelitten haben. Oftmals habe ich auch bewusst versucht, mich aus der Situation zu entziehen. Nicht, weil ich Angst gehabt hätte, ihr etwas anzutun, sondern weil ich mir selbst nicht sicher war, wie ich mich denn verhalten darf und aus Angst davor durch mein Verhalten aufzufallen.